Manaus und die Kautschukbarone

Einmal mehr begeistert vom Vortrag von Lektor Michael Hoeborn, der Land, Leute und Gebäude so spannend und informativ nahe bringt, dass man richtig darauf brennt, das alles doch selbst zu erkunden, haben wir beschlossen, die Stadt ohne Führung anzuschauen. Das ist nicht nur eine gute Idee, weil man sich pro Person 40 Euro erspart, sondern auch, weil man nicht im Pulk steht und überall so lange bleiben kann, wie man mag.

Den Prunk des Kautschukbooms kann man gleich am Hafen nur erahnen. Neben schäbigen Häusern stehen solche, die einmal wunderschön gewesen sein müssen – mit Stuck und hübschen Verzierungen. Aber das Ende der Kautschukbarone kam sehr abrupt, es gab kein Geld mehr, die Häuser standen leer und der Verfall in diesem feuchten Klima ging wohl sehr schnell

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Man geht dann einige Zeit durch richtig häßliche Gegend, lieblos gebaute Häuser, Ramschläden und Ramschstände – und plötzlich steht es in voller Pracht da: das Theatro Manaus

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Man kann sich kaum vorstellen, dass auch dieses Gebäude dem Verfall preisgegeben war. Gerettet haben es unter anderem der Film Fitzcarraldo und die Touristen, die dieses Haus sehen wollen. Inzwischen hat es den alten Glanz der Kautschukzeit wieder erreicht:

Vor dem Teatro liegt noch ein hübscher Park und ein weiteres Haus ist gepflegt, der Palácio da Justiça mit Justizia – einmal ohne verbundene Augen. (Ob das etwas über das Gerichtswesen in Brasilien aussagen will?) Dann aber gleich wieder wenig einladende Gegend. Wir fahren mit dem Taxi zum dritten, wirklich beeindruckenden Haus, dem Palácio Rio Negro, das der deutsche Kautschukbaron Waldemar Scholz mit viel Pomp und auf Pump (er war sich sicher, dass der Hunger der Welt nach Kautschuk anhalten und seinen Reichtum sicherstellen würde) gebaut hat. Nur wenige Jahre später (1876) brach der Traum zusammen, das Haus wurde aber Regierungssitz und später Museum, das man einfach betreten darf.

Weitere Informationen zum Kautschukboom, der mich fasziniert und ein wenig an den Ölboom erinnert: http://de.wikipedia.org/wiki/Kautschukboom

Durch einen neu angelegten Park gleich am Palacio kommt man wieder zum Amazonas, wieder vorbei an nicht sehr einladenden Häusern führt der Weg zum großen Markt. Wieder beeindruckt die Fülle an Früchten und Gewürzen, die Verkäufer am Fischmarkt sind alle weiß gekleidet und haben ein Netz auf dem Kopf. Die Markthallen sind allerdings billig gebaut und als Besucher versteht man nicht, warum die schönen alten Hallen, die übrigens von Eiffel entworfen wurden, leer und vergammelt ihr Leben fristen. Man sagt, das soll rechtzeitig zur Fussballweltmeisterschaft aufgefrischt werden, aber so recht kann ich nicht daran glauben. In der Gegend müsste so viel restauriert werden, dass das wohl nicht hinhaut. Vielleicht wird das ganze Hafenviertel einfach abgesperrt? Die reicheren Leute wohnen schon länger in den neuen Bezirken außerhalb. Die haben wir nicht angeschaut, es gibt sie aber so wie auch die Wirtschaft boomt und Fabriken aus dem Urwald gestampft werden. Ich stelle lieber noch ein paar Bilder vom Markt und den Hallen herein:





5 Kommentare zu “Manaus und die Kautschukbarone

  1. Auf den Weg vom Palacío Rio Nero zum Schiff sahen wir noch die Favelas, die Häuser auf den Stelzen. Dann kamen wir endlich zu dem Markt. Schon länger bin ich auf der Suche nach Guaraná, ein Gewürz? (für Martin) und den Schuppen (als Raspel für Hornhaut oder als Feile für die Nägel verwendbar) des Piracurus. Endlich fanden wir diese Sachen.
    Am Nachmittag machten wir einen Bootsausflug, ein Stückchen in den Regenwald. Wir fütterten riesige Fische, sahen Äffchen, sogar ein Faultier in der Baumkrone. Weiters noch die Riesenblätter von Seelilien. Diese Blätter halten bis zu 50kg aus. Ich könnte das ja mal ausprobieren, ob das auch stimmt. Dieser Ausflug hat mir sehr gut gefallen. Und das war unser letzter Ausflug vor der Heimreise. Wie schade.

  2. Tja, Anna,

    nu ist er da, euer Bericht vom letzten Ziel der Reise.
    Schön warr, das mitzuerleben.
    Freut mich für euch, dass ihr gut wieder daheim seid.

    Der Blog bleibt doch noch sichtbar, oder nicht?
    Lass es lange stehen, es ist was Feines!

    Maria (inmitten von Schnee und Rauhreif)

    • Ich freu mich sehr, dass der Blog seinen Sinn erfüllt – die Daheimgebliebenen wenigstens ein bisschen auf diese spannende Reise mitzunehmen.
      Ich durfte aber auch feststellen, dass der Blog eine weitere Funktion erfüllt. Wer so eine Reise vorhat sucht – wie auch wir – vorher Seiten, die Informationen und Anregungen geben können. Es gibt ziemlich viele Zugriffe auf die Seite. Deshalb werde ich sie auch weiterhin öffentlich lassen. Für mich lasse ich sie sowieso stehen, sie ist meine Reiseerinnerung.

      Ganz fertig ist der Blog aber noch nicht. Ich möchte noch einiges ergänzen und es wird auch noch eine kleine Zusammenfassung über die Aida geben.

      Also dran bleiben. – Und danke für deine netten Kommentare. Man liest sich. 😉

    • Hallo Brit,
      danke für dein Feedback, ich freue mich sehr, wenn der Blog gefällt. Leider hat Aida die Reise heuer nicht mehr im Programm, es wurden ganz unterschiedliche Gründe gemunkelt….auch, dass es Ende 2014 möglicherweise wieder angeboten wird.

      Ich wünsche dir, dass du eine ähnliche Reise schaffst – es ist wirklich ein tolles Erlebnis.

      Lieben Gruss vom Bodensee
      Anna

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