Ein paar Zahlen zur Reise

(entnommen aus dem Extrablatt der Aida-Bordzeitung)

Zur Strecke:

Reiseroute

Zurückgelegte Seemeilen: 3284 (das sind etwa 5300 km, davon rund 2000 km auf dem Amazonas), 8 Seehäfen, 6 Tage auf See, 3 Äquatorüberquerungen.

316 Crew-Mitglieder aus 25 Nationen

Zur Verpflegung:

Es gab 76 Sorten Käse, 50-60 Sorten Obst, 60 verschiedene Fisch & Meeresfrüchte

Auf der Strecke wurden unter anderem 4 900 Liter Rotwein und 4 200 Liter Bier verbraucht, pro Tag wurden 15 000 Teller gespült.

Die Tagestemperaturen

schwankten zwischen 26 Grad in Fort de France und 30 Grad in Belem. (so steht es geschrieben, ich bin mir sicher, dass es schon gelegentlich heißer war)

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Manaus – das Treffen der Wasser

Aida bietet von jedem Hafen aus eine Reihe unterschiedlichster Ausflüge an. Sie sind nicht ganz billig, die Gruppen sind recht groß, aber wir haben sie immer als gut organisiert und interessant erlebt. Während der Reisevorbereitungen habe  ich in den Foren immer wieder gelesen, dass privat organisierte Ausflüge persönlicher und preisgünstiger sind. Besonders positiv wurde da Wolfgang in Manaus beschrieben. Also suchte ich seine Internetseiten – den Ausflug zum „Treffen der Wasser“ gab es in ähnlicher Weise auch bei Aida wo er um die 50 Euro kostet.

Die Preise bei Wolfgang klangen interessanter, da nach Teilnehmeranzahl gestaffelt.

http://www.amazonasreisen.de/reiseangebote-und-buchen/manaus.html

Dauer: 3 – 5 Stunden
Preise pro Person:
2-3 Teilnehmer € 105
4-5 Teilnehmer €  54
6-8 Teilnehmer €  43

Der „Geheimtipp Wolfgang“ war wohl nicht mehr ganz geheim und wenn Alida kommt, ist auch bei ihm Hochsaison. Anders als in den Internetseiten angeboten wollte Wolfgang für den Ausflug 48 Euro und Vorauszahlung. Wir waren dann eine Gruppe von 12 Personen (eigentlich waren wir 20, denn es gab ein zweites Schiffchen mit 8 Teilnehmern und einem weiblichen „Hilfsscout“, die aber eher begleitende Funktion hatte). Nach etwas mehr als drei Stunden war der Ausflug zu Ende, hier hat die Internetankündigung (3 – 5 Stunden) gepasst auch wenn ich mich im Nachhinein frage, wovon diese doch etwas undeutliche Zeitangabe abhängt.

Auch wenn wir ihn vermutlich auch weniger aufwändig buchen hätten können: Spannend war der Ausflug auf jeden Fall:

Erst einige Kilometer unterhalb von Manaus heißt der Fluss wirklich Amazonas, nämlich dann, wenn sie sich treffen: der Rio Negro mit dunklem, fast schwarzem Wasser und der Rio Solimões der wärmeres hellbraunes-schlammiges Wasser führt. Sie vermischen sich nur langsam, fließen zuerst zehn Kilometer nebeneinander her. Diese Geburtsstätte des Flusses besuchen wir mit einer Flussfahrt in einem kleinen Boot, vorbei am riesigen Industriehafen mit Frachtkähnen aus aller Welt. Es ist wirklich ein faszinierendes Schauspiel:

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Während der Regenzeit steigt der Wasserspiegel des Amazonas bis zu 20 Meter. Da das Land flach ist, betrifft das einen breiten Landstrich, der dann unter Wasser ist. Die Vegetation hat sich angepasst, nur hier gibt es Bäume, welche es überleben, wenn ihre Stämme ein halbes Jahr unter Wasser stehen, hier wächst die Riesenseerose Victorica Amazonica, deren Blätter 50 kg tragen können. Die Regenzeit hat heuer verspätet eingesetzt, aber ein Stück können wir hineinfahren in das Gebiet und ein Stück gehen wir auf einem Steg. Die Äffchen, die sich herumtreiben, haben gelernt, dass die Menschen ihre Bananen manchmal mit ihnen teilen. 😉

Auch die Menschen, die schon lange Zeit hier leben, haben sich angepasst. Ihre Häuser sind entweder auf hohe Stelzen gebaut – oder sie können schwimmen. Diese Ansiedlung steht nicht immer am selben Platz, die Häuser schwimmen einfach immer am Ufer, egal wo es sich gerade befindet. Das große Gebäude mit den geschlossenen Läden ist übrigens die Schule, im Jänner sind in Brasilien Ferien.

 

Nachtrag: Erst bei der Internetrecherche nach Dingen, die ich nicht mehr genau wusste, habe ich mehr über diesen „Wolfgang“ gefunden. Es handelt sich um Wolfgang Brög, einen anerkannten Dokumentarfilmer. Natürlich führt der nicht selbst Gruppen durch diese Allerweltstouren, trotzdem schade, dass da wohl unter  seinem Namen mittelmäßige Touren durchgeführt werden.

http://www.amazonas.de/amazonas/broeg_bericht1_06.html

(Das Portal von http://www.amazonas.de sei allen Interessierten warm empfohlen.)

Manaus und die Kautschukbarone

Einmal mehr begeistert vom Vortrag von Lektor Michael Hoeborn, der Land, Leute und Gebäude so spannend und informativ nahe bringt, dass man richtig darauf brennt, das alles doch selbst zu erkunden, haben wir beschlossen, die Stadt ohne Führung anzuschauen. Das ist nicht nur eine gute Idee, weil man sich pro Person 40 Euro erspart, sondern auch, weil man nicht im Pulk steht und überall so lange bleiben kann, wie man mag.

Den Prunk des Kautschukbooms kann man gleich am Hafen nur erahnen. Neben schäbigen Häusern stehen solche, die einmal wunderschön gewesen sein müssen – mit Stuck und hübschen Verzierungen. Aber das Ende der Kautschukbarone kam sehr abrupt, es gab kein Geld mehr, die Häuser standen leer und der Verfall in diesem feuchten Klima ging wohl sehr schnell

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Man geht dann einige Zeit durch richtig häßliche Gegend, lieblos gebaute Häuser, Ramschläden und Ramschstände – und plötzlich steht es in voller Pracht da: das Theatro Manaus

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Man kann sich kaum vorstellen, dass auch dieses Gebäude dem Verfall preisgegeben war. Gerettet haben es unter anderem der Film Fitzcarraldo und die Touristen, die dieses Haus sehen wollen. Inzwischen hat es den alten Glanz der Kautschukzeit wieder erreicht:

Vor dem Teatro liegt noch ein hübscher Park und ein weiteres Haus ist gepflegt, der Palácio da Justiça mit Justizia – einmal ohne verbundene Augen. (Ob das etwas über das Gerichtswesen in Brasilien aussagen will?) Dann aber gleich wieder wenig einladende Gegend. Wir fahren mit dem Taxi zum dritten, wirklich beeindruckenden Haus, dem Palácio Rio Negro, das der deutsche Kautschukbaron Waldemar Scholz mit viel Pomp und auf Pump (er war sich sicher, dass der Hunger der Welt nach Kautschuk anhalten und seinen Reichtum sicherstellen würde) gebaut hat. Nur wenige Jahre später (1876) brach der Traum zusammen, das Haus wurde aber Regierungssitz und später Museum, das man einfach betreten darf.

Weitere Informationen zum Kautschukboom, der mich fasziniert und ein wenig an den Ölboom erinnert: http://de.wikipedia.org/wiki/Kautschukboom

Durch einen neu angelegten Park gleich am Palacio kommt man wieder zum Amazonas, wieder vorbei an nicht sehr einladenden Häusern führt der Weg zum großen Markt. Wieder beeindruckt die Fülle an Früchten und Gewürzen, die Verkäufer am Fischmarkt sind alle weiß gekleidet und haben ein Netz auf dem Kopf. Die Markthallen sind allerdings billig gebaut und als Besucher versteht man nicht, warum die schönen alten Hallen, die übrigens von Eiffel entworfen wurden, leer und vergammelt ihr Leben fristen. Man sagt, das soll rechtzeitig zur Fussballweltmeisterschaft aufgefrischt werden, aber so recht kann ich nicht daran glauben. In der Gegend müsste so viel restauriert werden, dass das wohl nicht hinhaut. Vielleicht wird das ganze Hafenviertel einfach abgesperrt? Die reicheren Leute wohnen schon länger in den neuen Bezirken außerhalb. Die haben wir nicht angeschaut, es gibt sie aber so wie auch die Wirtschaft boomt und Fabriken aus dem Urwald gestampft werden. Ich stelle lieber noch ein paar Bilder vom Markt und den Hallen herein:





Medizinische Versorgung

Laut Plan wollten wir zum Sonnenaufgang in Manaus ankommen, aber wegen eines medizinischen Notfalls hat der Kapitän Geschwindigkeit zugelegt und als wir aufgewacht sind, lag das Schiff schon im Hafen. Aussteigen durften wir trotzdem nicht vorher, die Behörden in Brasilien arbeiten sehr genau und das dauert wohl seine Zeit.

Was das für ein Notfall war, haben wir nicht erfahren, aber es muss wohl wirklich etwas Ernstes gewesen sein.Das war natürlich Gesprächsthema an diesem Abend, es war ja bereits der zweite schlimme Fall in dieser Reise und keiner mag sich vorstellen, wie das auch für den mitreisenden Partner sein muss.

Wir haben uns über die warmen Temperaturen gefreut, sind etwas langsamer gegangen, wenn die Luftfeuchtigkeit spürbar hoch wurde, und fanden die plötzlichen Regengüsse lustig. Man hat entweder einen Regenschutz dabei und schafft es, ihn in affenartiger Geschwindigkeit auch herauszuholen, man findet in Laufnähe  ein Dach zum Unterstehen – oder man erhält eine kostenlose warme Dusche. Das ist bei diesen Temperaturen nicht schlimm und das Schiff mit seinen Annehmlichkeiten wie Föhn und Klimaanlage wartet ja immer. Bei Herz- oder anderen gesundheitlichen Problemen ist das Klima aber eine Herausforderung.

Auf dem Schiff ist man sicher besser aufgehoben als bei jeder anderen Reisevariate. Es gibt nämlich eine – so die Berichte von Mitreisenden – bestens eingerichtete Krankenstation und zwei deutsch sprechende Ärzte an Bord. (Ärzte werden es noch einige mehr sein, aber die anderen haben ja Urlaub.)  Die hatten wohl reichlich zu tun, die Straßen und Wege überraschen immer wieder mit orginellen Unebenheiten und Absätzen und täglich sahen wir neue Verbände an Armen und Beinen. Und dann gab es auch einige Mitreisenden, die ab dem zweiten Tag derartig rot waren, dass sie wohl auch medizinische Hilfe geholt haben.

…uns betraf das erfreulicherweise nicht, vor uns lag unser letzter Urlaubstag: eine riesige Stadt mitten im Urwald Amazoniens wartete auf uns.

Santarem

 

„It is a great place to live“, meint unser Führer und das Strahlen in seinen Augen zeigt, dass er es ernst meint. Wahrscheinlich empfand  das keiner von unserem Schiff so, als wir gestern nach unserer Ankunft von Bord gingen. Man hat uns schon gesagt, dass wir hier so viel oder wenig Angst um unsere Geldtasche haben müssen wie in anderen Städten, aber die Häuser an der Hafenstraße haben so gar keine Ähnlichkeit mit eleganten Hafenvierteln, die Straßen sind holprig und die Kähne im Wasser haben schon einige Jahre auf dem Buckel. Es fällt uns aber auf, dass der Verkehr hier gesitteter abläuft als auf den karibischen Inseln ,man hört kein Gehupe und die Fahrer wissen, wofür Zebrastreifen gut sind. Die Luft ist lau (je nach Geschmack könnte man auch warm oder etwas schwül sagen), die Menschen wirken freundlich und es ist schön im „Stelzenhaus“ am Wasser zu sitzen. Die Stelzen schauen etwas unpassend aus, aber wenn die Regenzeit richtig eingesetzt hat, sieht hier alles anders aus, Inseln die an uns vorbeigezogen sind, werden dann nicht mehr zu sehen sein und die Fischerkähne werden dann weiter herein fahren.

 Santarem ist die drittgrößte Stadt am Amazonas und für die Menschen hier wirklich ein guter Platz. Sie kommen in die Stadt um ihre Waren zu bringen, einzukaufen, zum Arzt zu gehen, Zivilisation zu genießen. Für die meisten sind Schiffe das geeignete Fortbewegungsmittel. Sie sind meist drei oder vierstöckig, unten werden Waren transportiert, bei größeren „Kähnen“ auch Autos, die oberen Stockwerke sind seitlich offen und erst wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass sie voller Hängematten sind. Die bringen die Passagiere selber mit und verbringen dann die Hauptzeit der Fahrt dort drinnen. Das schaut zwar bequem aus, aber es gibt schaurige Erzählungen von Leuten, die da mitgefahren sind, die Toiletten haben kein Wasser und natürlich gibt es auch keine Gelegenheit zu waschen. Die Fahrt nach Manaus oder Belem dauert drei Tage und Nächte und die Luft ist heiß und schwül. Unser Schiff ist besser.

 Was die Menschen wie unseren Führer hier aber so selbstbewusst und zufrieden macht, ist der wirtschaftliche Aufschwung. Musste der vorletzte Präsident um 1995(?) noch Staatsbankrot anmelden, so zählt Brasilien nun zu den reichen Ländern der Erde und der Staatshaushalt ist seit vielen Jahren ohne Verschuldung. Außerdem tut die Präsidentin viel für die ärmere Bevölkerung, gibt Geld für die Bildung und ärztliche Versorgung aus. Unser Reiseführer zeigt uns auf der Fahrt eine Siedlung von 1000 kleinen Häuschen die Heimat für die sozial schwächeren werden soll, weitere 4000 sind in Bau und mein Foto aus dem Bus ist nicht sehr aussagekräfig. Ich stelle es trotzdem hier herein – für mich als Erinnerung. – … dass der wirtschaftliche Boom auch das Abholzen der Regenwälder, Umweltverschmutzung, Vertreibung der Indianer bedeutet, kommt in der Begeisterung unseres Reiseführers nicht vor.

 Der Amazonas und der Regenwald bieten den Bewohnern alles Notwendige. An den Geruch auf dem Fischmarkt werde ich mich wohl nicht gewöhnen, aber die Fischvielfalt ist faszinierend. Auf jedem Markt gibt es auch mindestens einen Stand wo Kräuterfrauen seeehr eigenartige Naturmedizin verkaufen. Soll viel wirksamer sein als das Zeug das die Ärzte so haben.

Außerhalb von Santarem sehen wir wie Maniok zubereitet wird: Die Wurzeln des Baumes werden geschält, zerkleinert, ausgepresst (daraus wird in dreistündiger Kochzeit jene gelbe „Suppe“ erzeugt, die man auf den Märkten in Plastikkübeln zum Verkauf anbeitet) und geröstet.

 Und dann waren wir noch in Alter do Chão auf der Insel der Liebe. Das ist ein wunderschönes Inselchen mit weißem Sandstrand, den es nur aulßerhalb der Regenzeit gibt. Die kommt heuer etwas später und so können wir den Strand ein bisschen genießen.

 

Seetag vor Santarem

Sonnenaufgang 6:36, Sonnenuntergang 18:41

Speed 16 Knoten ( ungefähr 30 km/h) Lufttemperatur 32,9 Grad, Wassertemperatur 29,2, Windgeschwindigkeit 5,7 m/s (4 Beaufort), Kurs 270 ° (W)

Die Position mag ich nicht abschreiben, aber wir sind in der Nacht weit herein in den Amazonas gefahren und draußen scheint es jetzt kurz nach Sonnenaufgang schon ziemlich warm und dampfig zu sein. Die Klimaanlagen funktionieren aber alle bestens und sind auch ziemlich gut eingestellt. Hier im Zimmer haben wir eine etwas wärmere Temperatur als in den öffentlichen Räumen, beim Essen ist es angenehm, ein Jäckchen dabei zu haben….und wie gestern Abend dann in der warmen Luft in der Oceanbar im Heck des Schiffes zu sitzen und hinaus aufs Meer zu schauen ist sooooo angenehm.

…Jetzt sind wir gerade aufgewacht und seit wir bemerkt haben, dass auf Kanal elf ähnliche Positionsmeldungen zu sehen sind, wie im Flugzeug, starten wir unseren Tag meist mit einem Blick da hin. Die Mitreisenden mit einer Innenkabine erzählten, dass sie am Morgen einfach die Kanäle mit den Positionskameras einschalten, das ist dann wie ein Blick aus dem Fenster…mir gefällt unser echtes Fenster trotzdem besser. Da sieht man jetzt das Ufer vorbeiziehen, viel Wald, kleine einstöckige Häuschen, manchmal ein Felsen. Der Regenwald ist aber nicht jener Urwald mit riesigen uralten Bäumen den man aus Filmen kennt. Am Amazonasufer ist das Fällen des Holzes ja am einfachsten und deshalb mussten diese Bäume hier zuerst daran glauben. Lektor Michael erzählt aber Fasznierendes, leider kann man sich nicht alles merken: Ein großer Teil aller auf der Erde bekannten Pflanzen wachsen in Brasilien, viele unbekannte werden in den Wäldern noch vermutet. Von den etwa hundert indogenen Völkern, die noch keinen Kontakt mit der restlichen Menschheit hatten, vermutet man sechzig in den Urwäldern Brasiliens. Er erzählt aber auch davon, dass diese Stämme in großer Gefahr sind: die Holzfäller dringen immer weiter vor und die Stammesangehörigen sind nicht immun gegen unsere Krankheiten und sterben selbst an Grippe.

…Seetag also. Erst mal frühstücken, dann an Deck liegen, schauen wie das Ufer vorbei zieht, Vortrag anhören, lesen, Kartenspielen….mal sehen, was uns noch alles einfällt. Das Angebot ist riesig.

Schönen Tag euch allen da drinnen im Net(z)

p.s. Fotos habe ich erst später hochgeladen, der Menschenauflauf an Deck ist anlässlich der Äquatortaufe. Bei solchen Anlässen ist immer ziemlich viel los. Auch witzig: Brasilien ist einer der weltgrößten Lieferanten von Orangensaftkonzentrat. Der Rauchsaft auf dem Schiff hat also schon eine weite Reise auf dem Buckel.

 

Belem

Der Wellengang wird merklich schwächer, die Wasserfarbe bräunlich – wir haben den Äquator überquert und sind in den Amazonas eingefahren. Jetzt wird der Pool noch einmal gefüllt, die Jacuzzis werden gelehrt, weil das Wasser des Flusses nicht verwendet werden kann. Der Kapitän kündigt auch an, dass das Schiff jetzt in der Nacht nicht mehr so beleuchtet sein wird, die Balkonkabinenbesitzer mögen ihre Türe in der Nacht geschlossen halten, um nächtens kein ungebetenes Geflügel als Besuch zu bekommen.

Nach einer langen Fahrt von zwei Nächten und einem Tag ist wieder einmal ein Lotse an Bord gekommen. Das Schiff fährt diesmal besonders langsam, unter dem Schiff sind zeitweise weniger als 1,5 m. Die Aida bleibt denn auch in ziemlichem Abstand zu Belem und wir werden mit den Tenderbooten an Land gebracht.

Die Vorträge, die an jedem Seetag um elf Uhr angeboten werden sind kurzweilig, interessant und hilfreich. Wer, so wie wir, nicht an einem angebotenen Ausflug teilnimmt, erfährt, was es zu sehen, probieren und kaufen gibt, wo es sich hinzugehen lohnt und wie man hinkommt. Diesmal werden wir zusätzlich gewarnt, keine Schmucksachen mitzunehmen, und wir erfahren auch in welche Straßen man besser nicht geht.

Zusammen mit einem netten Paar aus Salzburg nehmen wir ein Taxi in einen wirklich sehenswerten Park, wo rote Flamingos herumspazieren, riesige Schildkröten vor uns im Wasser tauchen und wir wandern auf einem Steg über Verwandte unserer Zimmerpflanzen die hier viele Meter hoch aus dem Wasser des Flusses wachsen. Der Platzregen kommt etwas früher als angekündigt, aber wir sind zufällig unter dem weiten Dach eines Restaurants wo wir Amazonasbier und brasilianischen Kaffee testen. (Der Kaffee auf der Aida ist einer der wenigen Schwachpunkte auf dem Schiff)

Ein bisschen verplant haben wir uns dennoch – der große Markt, auf dem es zwar in Fisch- und Fleischnähen ziemlich streng riechen soll, wäre wegen der vielen exotischen Früchte einen Besuch wert gewesen. Der ist aber am Nachmittag bereits zu. Dabei hätten wir gerne diese roten Früchte, die so unheimlich gesund sein sollen, probiert. Das darf man nämlich, man muss nur darauf achten, dass sie ganz frisch gepresst werden.

Belem ist eine eigenartige Stadt, man hat den Eindruck, dass die Menschen einfach in neue Häuser ziehen, wenn die alten verfallen. Das gilt für jene Häuser in Hafennähe, die vom Reichtum der Kautschukzeit erzählen, aber auch für die Hochhäuser, bei denen allein der Gedanke dort wohnen zu müssen, Angst macht. …ach es gibt so viel zu erzählen. Ich kürze das jetzt ab und erzähle noch von den schönen neuen Hafengebäuden, wo man so angenehm sitzt, wo man auch mit empfindlichem Europäermagen alles essen und trinken kann, ganz besonders den Caipirinha.

Dort trifft man gegen Abend die Menschen von der Aida, wir haben neben den Salzburgern auch eine nette deutsche Familie kennengelernt, die für zwei Jahre in Sao Paulo wohnt, Interessantes erzählt und portugisisch spricht. Letzteres macht einiges leichter, nicht nur das Bestellen von Getränken…

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Die Île Royale

Henry Charriere war hier, Dreyfuss war hier und noch viele andere, berühmte und weniger berühmte Männer – viele von ihnen nicht freiwillig sondern als Gefangene. Dabei schauen die drei kleinen Inselchen, die da vor uns auftauchten fast schon kitschig aus, grün, voller Palmen. Nur der Sandstrand fehlt.

Die Inseln hießen ursprünglich „Inseln des Heils“, weil die ersten Siedler hierher vor einer Gelbfieberinvasion geflüchtet sind. So richtig zum Wohlfühlen waren sie denn doch nicht und so wurden sie zwangsbesiedelt: Schwerverbrecher, aber auch Kleinkriminelle wurden von Frankreich hierher gebracht und so wurde die berühmte Gefängnisinsel daraus, die man beispielsweise aus vom Roman oder Film Papillion kennt.

Hier kann unser Schiff nicht anlegen, wir erleben unsere Tenderpremiere bei ziemlichem Wellengang. Dann ein Regenguss zum Empfang. Der ist kurz und bleibt der einzige, danach ein angenehm warmer Spaziergang (manche sagen es wäre schwül, uns gefällt es) rund um die Insel (rundherum sind es gerade mal 2,5 km) und auch auf den kleinen Hügel. Schon schaurig zu sehen, wie klein die Gefängniszellen waren, in denen die meisten der Gefangenen innerhalb weniger Jahre gestorben sind. Die verfallenen Mauern sind vielerorts schon verwachsen, die Natur deckt die schlimme Geschichte zu.

In der Mitte der Insel steht auf den Ruinen des ehemaligen Gefängnisses ein Hotel, dort trinken wir einen Punsch, wie uns am Schiff empfohlen, und schauen hinüber auf die beiden anderen Inseln die von Touristen nicht betreten werden können. Ob es der Punsch oder die so spezielle Insel ist, die uns darüber philosophieren lässt, wie brutal die Spezies Mensch sein kann?

Wer mehr über die Inseln wissen möchte, Aida hat  interessante Informationen zusammengefasst. AIDA_Hafeninfo_ileroyale

Aida und die Figur

Eines der Mankos einer Kreuzfahrt ist das Gewichtsproblem. Immerhin hat man ziemlich viel Zeit zum Genießen. Damit es nicht allzu schlimm endet hat Aida einige sehr unterschiedliche Hilfestellungen anzubieten:

Die freundlichste:

Gegrillter Fisch, Steak, Gemüse aller Art, frische Papaya und Ananas…. schmeckt alles ganz hervorragend und hat wenig Kalorien. (Leider schmecken auch Dinge, die hier nicht aufgezählt sind kein bisschen schlechter und man will ja nichts versäumen.)

Die moralische:

Es gibt natürlich verschiedene Wege von den Restaurants zu den Bars, aber wenn man nicht aufpasst, erwischt man die Brücke des schlechten Gewissens. Die Bilder zeigen warum sie so heißt.

Die brutale:

Zwischen elf (Ende des Frühstücks) und zwölf (Mittagsgrillen am Pool) gibt es tatsächlich überhaupt nichts zu essen. In dieserZeit kann man klasse abnehmen.

Die noch brutalere:

Man lässt ein bisschen Wind aufkommen, am besten seitlichen. Dann sind Stiegenhäusern und Lifte mit weißen Tütchen zur freien Entnahme bestückt: